Kindertherapie - Raubling
  Neuroplastische Hirnveränderung
 

Neuroplastische Hirn-Veränderungen
durch Neurofeedback







Was geschieht durch Neurofeedback? Lassen sich wirklich Veränderungen am Gehirn dokumentieren? Untersuchen lässt sich so etwas mit einem Blick auf die Neuroplastizität des Gehirns. Der Begriff „Neuroplastizität“ steht für die Flexibilität des Gehirns, sich an neue Anforderungen anzupassen. Neue Nervenzellen entstehen, bestehende Zellen werden neu verbunden und so kann sich das Gehirn quasi neu strukturieren. Wie sehr hat Neurofeedback Einfluss auf solche Prozesse?

Diese Frage wurde im Rahmen einer Kooperation zwischen zwei Laboratorien der Universität London untersucht: von Goldsmiths und dem Institut für Neurologie. Die gemeinsam durchgeführte Studie erbrachte die ersten Belege neuroplastischer Veränderungen direkt nach einem Hirnwellen-Training, wobei eine halbstündig andauernde Kontrolle der Hirnwellen ausreichte. Effekte von Neurofeedback wurden im Rahmen der Studie also nicht durch die Untersuchung von Krankheitszuständen vor und nach Neurofeedback-Sitzungen belegt. Vielmehr setzte die Studie an der Basis an: bei den Veränderungen im Gehirn.

Die Effekte waren – so die Forscher - in ihrem Umfang vergleichbar mit Effekten nach künstlichen Formen der Hirnstimulation wie der Stimulation durch magnetische oder elektrische Impulse. Das macht Hoffnung auf zukünftige nicht-pharmazeutische Hirntherapien, die auf Neurofeedback bauen. Die Studienautoren riefen allerdings zu Wiederholungstests und zu einer verstärkten Erforschung des Neurofeedbacks auf. Sie bezeichneten es als eventuell viel versprechende Technik, um die cerebrale Plastizität (Veränderbarkeit des Hirns) auf sicherem, schmerzfreiem und natürlichem Weg aktiv zu nutzen und Veränderungen herbeizuführen.  

Für ihre Studie verwendeteten der leitende Studienautor, Tomas Ros, und seine Co-Autoren Diane Ruge and Moniek Munneke unter Anleitung der Professoren John Gruzelier and John Rothwell non-invasive magnetische Stimulatoren (TMS). Mit ihnen prüften sie die Existenz wahrnehmbarer Veränderungen in der kortikalen Funktion kurz nach einer einzelnen Sitzung mit Hirnwellen-Selbstregulation. Für die magnetische Stimulation erhielt der jeweilige Studienteilnehmer einen kurzen magnetischen Impuls auf der Kopfhaut, um die motorische Hirnrinde zu stimulieren. So wurde ein Muskelzucken produziert, das sich proportional zur Reaktionsfähigkeit der Nerven in der Hirnrinde zeigte. Ros und seine Kollegen beobachteten signifikant erhöhte kortikale Reaktionen nach einem aktivierenden Neurofeedback. Solche nachträglichen Effekte dauerten mindestens zwanzig Minuten nach Ablauf des Trainings an, sodass von einer tatsächlich nicht nur kurzzeitig auftretenden Veränderung im Gehirn gesprochen werden kann.

Das Fazit: Neurofeedback bedeutet aktive und funktionierende Veränderung des Gehirns. Die Studie bietet ein wichtiges Indiz dafür.

Quelle: http://www.sciencedaily.com/releases/2010/03/100310114936.htm

 
  © Birgit Schichtl  
 
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